Mittwoch, 2. März 2011

11. Kapitel

Tamara war auf dem Weg zu dem Kaffee, in dem ihre Verabredung auf sie wartete. Sie war immer noch aufgewühlt wegen Simons Anruf am Morgen, als er ihr erzählt hatte, dass schon wieder eine hübsche junge Frau ermordet worden war. „Auf ihrer Brust ist so etwas wie ein Windrad eingeritzt worden. Ich habe da so eine Ahnung, was die Zeichen bedeuten sollen. Ich möchte dir das aber nicht hier am Telefon sagen. Können wir uns in zehn Minuten im Kaffee Heini treffen?“ Sie hatte schnippisch geantwortet, dass sie bereits verabredet sei. „Hmm… na gut, dann… treffen wir uns morgen im Archiv.“ Und dann hatte er eindringlich hinzugefügt: „Pass gut auf dich auf, Tamara“. Ohne ein weiteres Wort hatte er aufgelegt.

Sie dachte immer noch darüber nach, was er ihr mit diesem Satz hatte sagen wollen. Gedankenversunken stiess Tamara gegen einen jungen Mann. Sie stammelte eine Entschuldigung und ging weiter. Als sie auf die Uhr blickte, bewegten sich ihre Beine automatisch schneller. Vor dem Kaffee blieb Tamara einen Moment stehen, um zu Atem zu kommen. Sie warf einen kurzen Blick auf ihr Natel, um ihre Frisur zu richten, und öffnete dann die Tür des Kaffees. Suchend blickte sie umher. Der Mann, den sie suchte, wartete an einem der hinteren Tischen und lächelte sie an. Sie eilte auf ihn zu und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Entschuldige die Verspätung“, sagte sie und setzte sich ihm gegenüber. „Kein Problem“, entgegnete er. „Willst du nicht bestellen?“ Er rief die Bedienung und Tamara bestellte sich einen Espresso. „Und? Gibt es etwas Neues?“ erkundigte er sich bei ihr. „Bei der Arbeit? Nicht wirklich. Mein Arbeitskollege sagt, er hätte etwas herausgefunden, aber ich weiss nicht genau, was ich davon halten soll.“ Er schaute sie eindringlich an. „Dieser Fall bedrückt dich, nicht wahr?“ fragte er vorsichtig. Tamara blickte auf. „Ja, ich meine, immerhin passe ich genau in das Opferprofil des Mörders.“ „Weisst du was? Ich habe eine Idee: Ich bezahle jetzt, und dann gehen wir zu einem meiner Lieblingsplätze.“ Als Tamara einwilligte, legte er das Geld auf den Tisch, und sie verliessen das Kaffee. Sie gingen schweigend nebeneinander. Tamara dachte wieder an Simon und seine Vorahnung. So bemerkte sie gar nicht, wohin sie gegangen waren. Plötzlich blieb er stehen; Tamara sah auf und erblickte einen der Museggtürme. Sein Dach sah aus wie eine Pyramide; so viel sie wusste, war dies der Dächliturm. „Und das ist dein Lieblingsplatz?“ fragte Tamara kritisch; wo sie hinschaute, sah sie nur Häuser. Er erwiderte nur: „Hier habe ich mich sicher gefühlt, wenn es zu Hause nicht so gut gelaufen ist.“

2 Kommentare:

  1. Da kann man fast nichts mehr dazu sagen. Die Spannung steigt merklich und langsam wird die Spur zum Täter deutlicher... Sehr, sehr gut!

    AntwortenLöschen