Mittwoch, 26. Januar 2011

6. Kapitel

Ausgeschlafen von der schlechten Nachricht und dem ach so informativen Elterntreff, begab sich Simon ins Bad. Er musste sich erstmal duschen, Gel ins Haar streichen und dann Frühstück zubereiten. Alessia hatte heute zwei Lektionen später Schule, da sie einen Ausflug ins Naturkundemuseum Luzern machten. Dies hieß nicht nur für sie später aufstehen. Ein alleinerziehender Vater musste sich eben anpassen, doch dies machte er natürlich gerne. Für seine Prinzessin würde Simon alles tun. Seine Frau hingegen hatte sie nach der Geburt einfach sitzen gelassen. Weg war sie. Aber bevor sie mit dem neuen Cabrio abgehauen war, hatte sie noch das kostbare Geschirr eingepackt. Manchmal fragte er sich, was er an ihr gefunden hatte. Doch diese Frage war schnell beantwortet. Sie war jung, hübsch und klug gewesen, bis zu dem Tag, an dem sie zu trinken begonnen hatte. Er mochte zwar auch ab und zu einen Schluck aus seinem Flachmann, aber er hatte seine Trinkerei ziemlich im Griff, vor allem auch wegen Alessia.
Nun saß er mit seiner Tochter beim Frühstück. Am Morgen gab es bei ihnen nicht viel zu bereden, da sie beide kleine Morgenmuffel waren. Später fuhr Simon Alessia zum Treffpunkt vor dem Museum, da dieses auf dem Weg ins Archiv lag. Als er den Eingang des Archivs, welches für ihn wie eine übergroße Bibliothek schien, betrat, strebte er schnurstracks auf das 16. Regal zu. In der zweiten Reihe bemerkte er nun wieder die Akte von gestern. Simon öffnete sie, wie er vermutete, war auch damals das Opfer jung, blond und hübsch gewesen, doch dies war noch nicht alles, zu seinem erstaunen hatte auch diese Frau ein eingeritztes Zeichen auf der Brust gehabt, oder sollte er sagen diese Frauen? Denn es war nicht nur ein Fall, der übereinstimmte mit seinem jetzigen, nein es waren vier Fälle aus der Vergangenheit. Dazu kam die ermordete Frau beim Christbaummarkt und das neue Opfer, welches ihm gestern Abend von Fries gemeldet worden war. Wenn seine Rechenkünste nicht schon wieder versagten, ergab dies sechs Morde. All diese waren in den vergangenen drei Jahren geschehen. Doch eins konnte er sich nicht erklären, vier der sechs Todesfälle passierten innerhalb von drei Wochen und zwar im Jahre 2008, dann gab es eine zwei-, nein sogar dreijährige Pause und nun geschahen wieder solche Morde, die genau in ein Schema passten. Er musste es wohl mit einem Serienmörder zu tun haben. Und dies in der Schweiz! Diese Frage beschäftigte Simon auch noch auf dem Weg zum Polizeirevier. Dort hielt er sich aber nicht lange auf, denn er wurde von seinem Chef Volker zum Tatort geschickt. Dieser befand sich wenige Meter von der Kappelbrücke entfernt. Die Leiche, welche ihm Fries gestern gemeldet hatte, war schon unter einem weißen Tuch verborgen. Als sich Simon bei Färber erkundigte wo genau denn die Leiche gewesen war, erklärte ihm dieser, dass sie in der Gasse um die Ecke neben einem Container gelegen hatte. Bei diesen Temperaturen war die Frau natürlich starr gefroren. Doch dies war, wie sich herausstellte, nicht die Todesursache, denn sie war brutal erwürgt worden.
Ein kurzer Blick unter das weiße Leintuch bestätigte die Aussage von Fries, sie war jung, blond und wunderschön. Außerdem hatte auch sie ein eingeritztes Zeichen auf der Brust. Es sah aus wie ein Schirm.

5 Kommentare:

  1. Interessant wie unaufmerksam Passanten sein können, wenn nicht bemerkt wurde, dass an der Kappelbrücke eine Leiche hängt. :)
    Ich könnte mir jetzt gut vorstellen, dass es im nächsten Kapitel einen grossen Medienrummel um die Sache gibt, denn ganz unbedeutend ist es ja nicht, wenn eine solche Tragödie um das Wahrzeichen von Luzern spielt ...

    Mir gefällt der Teil, wo Simon über seine Frau nachdenkt sehr gut,
    danke!

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  2. Sehr guter Text! Ich finde die Gedanken von Simon wirklich unserer "Vorlage" entsprechend und es ist auch gut, dass die Leser jetzt langsam von seiner Familie und seiner Vergangenheit unterrichtet wird.
    Freue mich schon auf das nächste Kapitel! Der Krimi wird sehr gut...

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Ein Polizist muss sofort zur Stelle sein wenn ein Mord passiert, ich glaub kaum das er noch Zeit hat sich ''auszuschlaffen''

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  5. Ich glaube eher, dass mit dem "Ausgeschlafen" nicht lange schlafen gemeint war, sondern eher auf die Geschehnisse bezogen. So habe ich das verstanden und so gibt es auch einen Sinn. Weil auch ein erfahrener Polizist kann nicht wirklich ausgeschlafen sein, wenn laufend Frauen ermordet werden.

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