Mit seinem Auto machte er sich auf den Weg. Obwohl das Radio in voller Lautstärke dröhnte, liessen ihn die Gedanken an den Mord der jungen Frau nicht los. Mit ihrem Tod waren so viele Fragen aufgetaucht. Wieso musste sie sterben? Was wollte der Mörder ihnen mit dieser eingeritzten Uhr sagen? Stammte diese Uhr überhaupt von ihm?
Das Klingeln des Telefons riss ihn aus seinen düsteren Gedanken. Er schaltete das Radio aus und betrachtete die Nummer auf dem Display, obwohl er sich die nie merkte. "Simon Blum?!" "Sandra Jost, ich bin die Lehrerin ihrer Tochter!" Sandra Jost? So hiess die Lehrerin von Alessia? Wieso um alles in der Welt rief die bei ihm an? "Ja, was ist?" "Ähm... Ich wollte nur mitteilen, dass heute Abend der Elterntreff stattfindet. Sie werden doch sicherlich da sein? Alessia hat mir schon erzählt, wie sehr sie sich freut." Bei diesen Worten wurde ihm richtig warm ums Herz. Dieses Gefühl liess aber nach wenigen Sekunden nach, als ihm klar wurde, was die Worte für ihn eigentlich bedeuteten. Er musste zu diesem Treffen gehen, eine Ausrede war unmöglich. Alessia hatte ihn förmlich dazu gezwungen, und er wollte sein Töchterchen nicht enttäuschen.
So wurde der Abstecher ins Archiv unfreiwillig gekürzt. Er hatte nach ähnlichen Verbrechen suchen wollen, aber eine Stunde reichte da nirgendwo hin. Die ersten 30 Minuten verbrachte er damit, das richtige Regal zu finden. Als er endlich die Akte über einen Mord an einer jungen, hübschen Frau in der Hand hielt, machte ihm die Uhr an der Wand unissverständlich klar, dass er sich ziemlich beeilen musste. Eines aber merkte er sich: Es war eine Akte aus dem 16.Regal in der zweiten Reihe!
Er traf um 18.40 Uhr beim Schulhaus ein. Angefangen hatte dieses um 18.30 Uhr- aber das war nicht so schlimm. Er hatte schliesslich noch den ganzen Abend Zeit, sich von der Lehrerin sagen zu lassen, wie sich seine eigene Tochter entwickelte.
Und so wurde es dann auch. Aber es war nicht nur die Lehrerin, die meinte, alles besser zu wissen. Er musste auf Fragen wie "Wie schaffen Sie das, Kind und Job unter einen Hut zu bringen?" oder "Was machen Sie am Wochenende mit Ihrer Tochter so ganz alleine?" antworten. Sein Tonfall wurde immer abfälliger und um 20 Uhr hielt er es nicht mehr aus. Er fuhr mit Alessia sofort nach Hause.
Als die Kleine dann im Bett war, öffnete er sich eine Wodkaflasche und rückte den bequemen Ohrensessel vor dem Fernseher zurecht. Gerade hatte er sich hineingesetzt und einen guten Krimi eingestellt, da klingelte schon wieder sein Telefon. Genervt nahm er ab. "Simon Blum?!" "Hallo, ich bins." Er erkannte die Stimme sofort und sie sagte ihm nichts Gutes voraus. Es war Fries. "Wir haben schon wieder eine Leiche gefunden. Weiblich, blond und jung..."
Wow.. das ging aber schnell!! Finde ich wirklich toll. Sehr gut finde ich, dass ihr die Lehrerin und sein Privatleben ins Spiel gebracht hat, auch die Liebe zu seiner Tochter und dass er alleinerziehend ist.
AntwortenLöschenDanke Jolanda. Ja, es war etwas schwierig für uns. Wir wussten lange nicht, was wir schreiben sollten. Da ist uns eingefallen, dass wir Alessia jetzt dann einmal ins Spiel bringen sollten...
AntwortenLöschenSehr guter Text!
AntwortenLöschenKönnt ihr im ersten Abschnitt die erlebte Rede von Blum noch ins Präteritum setzen?
Auch ich finde diesen 4. Teil unseres Klassenkrimis sehr gelungen, es ist ein guter Übergang für einen weiteren Teil. Es braucht auch Stellen bei denen es nicht um den Mord geht und das ist euch hiermit gelungen.
AntwortenLöschen